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Digitale Abwesenheit („Nur ein Meeting, bitte!“) Ein genialer Dueck

08/2010

lesen Sie wieder mal einen genialen DAYLY DUECK – –

Während vieler Meetings grassiert heute die scheinbare Unsitte, E-Mails zu bearbeiten oder zu twittern. Ein am Tisch gesenkter Kopf deutet fast sicher auf ein unter der Tischplatte verdeckt gehaltenes iPhone hin! Oder es ist ein Blackberry, beidhändig zum Tippen bereit. In der Schule schauten wir den Vögeln oder draußen geworfenen Schneebällen nach. Wir waren mit der Seele nicht im Unterricht. Die Lehrer bestraften uns hart. Heute wütet der Chef, der sich über die digitale Abwesenheit ärgert.

In heutigen Meetings wird kaum noch etwas besprochen. Das liegt am Shareholder-Value. Meetings dienen fast nur noch dem Verfolgen von Zahlen. Alle „tracken“, wie das ständige Wiegen der Schweine genannt wird, die durch eben dieses Wiegen Fett ansetzen sollen. Diese Meetings haben einen streng seriellen Verlauf. Dieser wurde ursprünglich von meinem sehr harten Latein-Lehrer in den 60er Jahren erfunden. Er fragte zu Beginn der Stunde immer in derselben Reihenfolge Vokabeln ab, um sich jedes Mal in der gleichen Weise über unseren unsäglichen Wissensnotstand zu ärgern. Jeweils ein Schüler war wirklich dran und wurde hochnotpeinlich durchleuchtet, die anderen wussten, dass sie irgendwann dran sein würden und gruselten sich. Die aber, die bereits ausgeschimpft waren, saßen überaus glücklich und ganz entspannt da, weil sie nichts mehr zu befürchten hatten. Nach und nach wurden alle ausgeschimpft und damit glücklich. Die jeweils noch nicht Ausgeschimpften wurden auch glücklich, weil die zuerst verbal Geprügelten so irre schlecht waren, dass sie ganz sicher nicht schlechter sein würden als diese. Das regte unseren Lehrer sehr auf. Oft stoppte er das Abfragen verzweifelt ab, weil es ja nur am Anfang spannend ist, wenn sich noch fast alle gruseln.

Nach diesem Lateinvokabelabfrageritual wurden in den folgenden Jahrzehnten alle offiziellen Meetings durchstrukturiert. Immer einer ist „dran“, den Status zu berichten. Die anderen beruhigen ihre Nerven oder waren schon dran – sie langweilen sich jetzt oder haben einen Hang zur Schadenfreude. … den ganzen DUECK zu Ende lesen

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